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Energieholz: Nutzen oder im Wald stehenlassen?

Mit schöner Regelmässigkeit werden Stimmen – auch solche von „Fachleuten“ – laut, welche uns weismachen, dass es aus Sicht des Klimaschutzes sinnvoller wäre, das Holz im Wald stehen zu lassen anstatt damit fossile Energien zu substituieren. Diese Stimmen verkennen einige wesentlichen Aspekte des Waldes und der Holzenergienutzung.

Substitutionswirkung ist nachhaltig!
Ende 2016 waren in der Schweiz – vom Zimmerofen über die Pelletheizung bis hin zum grossen Holzkraftwerk – insgesamt 573‘000 Holzheizungen (davon über 560‘000 kleine Wohnraum- und Gebäudeheizungen) in Betrieb. Diese nutzten 5 Millionen Kubikmeter Energieholz (Waldholz, Restholz aus der Holzverarbeitung, Altholz aus Gebäudeabbrüchen und alten Möbeln sowie Landschaftsholz) und erzeugten knapp 8‘700 GWh Nutzenergie. Energieholz deckt heute über 10 Prozent des Wärmebedarfs der Schweiz. Wird nun auf eine direkte Nutzung von Waldenergieholz verzichtet, muss diese Nutzenergiemenge kompensiert werden. Aber wie? Altholz am Ende der Kaskade in Klein-Holzfeuerungen zu nutzen, kommt nicht in Frage, und fossile Energien würden der CO2-Speicherung zuwider laufen. Holz gilt als CO2-erneuerbare Energie, weil das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 von den Bäumen und Pflanzen wieder gebunden wird. Deshalb ist die Gesamtbilanz neutral. Alle Holzheizungen der Schweiz zusammen reduzieren den CO2-Ausstoss heute jährlich um über 3 Mio. Tonnen. Das sind mehr als 6 Prozent des gesamten CO2-Ausstosses der Schweiz. Zusätzlich zu den bereits heute genutzten 5 Millionen Kubikmetern Energieholz liessen sich, unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Rahmenbedingungen, weitere 2 bis 3 Millionen Kubikmeter pro Jahr nutzen und dadurch zusätzlich 1.5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Das theoretische CO2-Speicherungspotenzial des Waldes lässt sich auf 2.2 Tonnen pro ha beziffern, bei einer Waldfläche von 1‘250‘000 ha also insgesamt 2.75 Millionen Tonnen pro Jahr. Das ist zwar mehr als die durch eine zusätzliche Nutzung von Energieholz eingesparte Menge von 1.5 Tonnen. Allerdings müsste in diesem Fall das in Zukunft nicht genutzte Energieholzpotenzial von 2.5 Mio. Kubikmetern durch andere Energieträger kompensiert werde. Wenn nur die Hälfte davon auf Heizöl und Erdgas entfallen, bringt das Stehenlassen der Bäume dem Klima weniger als ihre Nutzung in modernen und effizienten Holzenergieanlagen. Das Konzept der CO2-Speicherung ist nicht wirklich nachhaltig. Im Schweizer Wald haben wir heute die mit Abstand grössten Holzvorräte pro ha in Europa, und sie wachsen weiter. Wenn wir die Nutzung einschränken, steigen die Holzvorräte, die gespeicherte CO2-Menge und die Durchmesser der Bäume weiter an. Irgendwann stirbt aber jeder Baum einmal ab, und aus der langjährigen CO2-Senke wird eine CO2-Quelle, sofern wir die Bäume nicht aus dem Wald herausholen, um sie stofflich oder energetisch zu nutzen.

Holz. Energie, die nachwächst

Holzernte wird schwieriger
In einem Urwald mit kreuz und quer liegenden grossen schweren Bäumen ist die Holzernte sehr teurer, und der Wert des Holzes entspricht in keiner Weise dem eines normal gefällten Baumes wie es heute gehandhabt wird. Solche alten Bäume können ein Gewicht von bis zu 50 Tonnen haben. Auch bei Zerkleinerung vor Ort hätte man immer noch Stückgewichte von rund 10 Tonnen. Maschinen für eine derartige Holzerei gibt es in Mitteleuropa fast keine, funktioniert doch ein maschinelles Fällen nur bis zu einem Durchmesser von etwa 60 cm. Also zurück zur bewährten Motorsäge? Forstarbeit ist heute trotz aller technischen Hilfen und Maschinen eine sehr strenge körperliche und leider immer noch sehr gefährliche Arbeit. Wollen wir hier das Rad zurückdrehen, den Effizienzgewinn der letzten 20 Jahre rückgängig machen und die Arbeitssicherheit in der Forstarbeit wieder verschlechtern? Solche Baumstämme aus dem Wald zu holen, hätte nichts mehr mit Bodenschonung, Schutz des bestehenden Bestandes oder naturnaher Waldbewirtschaftung zu tun.

Der Wald ist viel mehr als nur ein CO2-Speicher
Wer den Wald nur auf seine Funktion als Speicher von vornehmlich fossil verursachte CO2 reduziert, unterschlägt nicht zuletzt auch seine volkswirtschaftliche Bedeutung. Wald- und Holzwirtschaft sichern rund 80‘000 Arbeitsplätze. Diese verarbeiten das Holz weiter zu Häusern, Brücken, Möbeln, anderen Holzprodukten und Energieholz, welche erwiesenermassen eine viel grössere und sicherere CO2-Speicher- und Reduktionswirkung haben, als alte Bäume im Wald stehen zu lassen, bis sie selber wieder CO2 freisetzen.

Über den Verein Holzenergie Schweiz
Seit bald 40 Jahren fördert Holzenergie Schweiz eine sinnvolle, umweltgerechte, moderne und effiziente energetische Verwendung von Holz, dem zweitwichtigsten erneuerbaren und einheimischen Energieträger der Schweiz. Mit einer Vielzahl von attraktiven und modernen Dienstleistungen sind wir für Fachleute, Bauherren, Politiker, Firmen und interessierte Privatpersonen ein wichtiger und kompetenter Ansprechpartner im Bereich Holzenergie.

 

Neugasse 6
8005 Zürich
Tel. 044 250 88 11
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Aktuell

KuRVe (Kunststoff Recycling und Verwertung)

Ökonomisch-ökologische Analyse von Sammel- und Verwertungssystemen von Kunststoffen aus Haushalten in der Schweiz

Kunststoffsammlungen aus Haushalten haben, verglichen mit der Sammlung von PET-Fla- schen, eine geringe Kosten/Nutzen-Effizienz. Dem verhältnismässig kleinen ökologischen Nutzen stehen hohe Kosten gegenüber. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des Projekts Kunststoff Recycling und Verwertung (KuRVe), das die Firma Carbotech AG und das Hoch- schulinstitut UMTEC im Auftrag von acht Kantonen, verschiedenen Verbänden und dem Bun- desamt für Umwelt BAFU durchgeführt hat.

UMTEC R. Bunge, A. Stäubli, T. Pohl

In den letzten Jahren entstanden neben der PET-Flaschensammlung verschiedene neue, meist private Samm- lungen von weiteren Kunststoffabfällen aus Haushalten. Im Projekt Kunststoff Recycling und Verwertung (KuRVe) wurden die Verwertungs- und Entsorgungswege dieser Kunststoffabfälle aus Schweizer Haushalten auf den ökologischen Nutzen und die damit verbundenen Kosten untersucht. Nur ein Teil der gesammelten Kunststoffabfälle kann rezykliert (stofflich verwertet) werden, der nicht verwertbare Teil wird aussortiert und in Zementwerken energetisch verwertet oder thermisch in Kehrichtverbrennungsanlagen behandelt. Dabei wird Energie in Form von Strom und Wärme zurückgewonnen.
Die wissenschaftliche Studie kommt zum Schluss, dass das Verhältnis von Kosten und Nutzen von separaten Sammlungen von Kunststoffabfällen in der Schweiz bei etwa einem Drittel der Effizienz des PET-Recycling- Systems liegt. Eine neue Sammlung von Kunststoffabfällen stiftet zwar einen ökologischen Nutzen – der Be- trieb des Systems ist aber teuer. Der potenzielle ökologische Nutzen einer neuen Kunststoffsammlung pro Person und Jahr entspricht etwa der Einsparung einer Autofahrt von 30 Kilometern pro Person und Jahr.

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Zukunftsprojekt zu innovativer Siedlungswasserwirtschaft und urbaner Nahrungsmittelproduktion

Spül-, Waschmaschinen und Toilettenwasser fällt in deutschen Haushalten zur Genüge an. Das Verbundprojekt »ROOF WATER-FARM« untersucht, wie sich häusliches Abwasser dezentral aufbereiten und für die Gemüseproduktion nutzen lässt. Fraunhofer UMSICHT entwickelt in diesem zukunftsträchtigen Vorhaben ein neuartiges Aufbereitungsverfahren, das aus Toilettenwasser flüssigen Pflanzendünger herstellt. Eine Pilotanalage wurde in Berlin bereits erfolgreich in Betrieb genommen.

Rund 70 Prozent unseres verfügbaren Trinkwassers gehen in die Landwirtschaft über, welche wiederum 14 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ausmacht. Um auch in der Zukunft eine ausreichende Wasser- und Nahrungsversorgung zu gewährleisten, müssen umweltschonende Alternativen zur landwirtschaftlichen Erzeugung von Lebensmitteln gefunden werden.

Frisches Gemüse und frischer Fisch direkt von den Dächern unserer Städte – das ist die Vision von »ROOF WATER-FARM«: Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt erprobt dafür die dezentrale Abwasseraufbereitung und -nutzung in Gebäuden und Siedlungsräumen. Denn statt häusliche Abwässer aus Dusche, Waschmaschine, Badewanne oder Toilette in Kläranlagen zu transportieren, lassen sie sich auch direkt vor Ort weiterverwerten.

In zwei unabhängigen Versuchstrecken wird in der »ROOF WATER-FARM« das Toilettenabwasser (auch Schwarzwasser genannt) getrennt vom Abwasser aus Dusche, Waschmaschine, Badewanne so aufbereitet, dass schmackhafte Gurken und Salat geerntet wird.

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Ilmac 2018